Wanderröte nach einem Zeckenstich am Bein
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Wanderröte: Warnsignal nach Zeckenstich

Von: Dr. med. Jana Wittkowski (Ärztin), Marina Bierbrauer (Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 01.04.2025

Als Wanderröte (Erythema migrans) bezeichnet man eine Rötung der Haut, die häufig im ersten Stadium der durch Zecken übertragenen Erkrankung Lyme-Borreliose auftritt. Typischerweise tritt die Wanderröte einige Tage bis Wochen nach einem Zeckenstich auf und breitet sich kreisförmig um die Stichstelle aus. Allerdings kommt es nicht in allen Fällen der Borreliose zu der typischen Hautveränderung. Zudem kann das Erscheinungsbild sehr unterschiedlich sein und ist daher oftmals schwer von anderen Hauterkrankungen abzugrenzen. Womit man eine Wanderröte verwechseln kann, wie man sie erkennt und was man gegen die ursächlichen Erreger tun kann, erklären wir in diesem Artikel.

Was ist eine Wanderröte?

Die klassische Wanderröte, seltener auch Wanderrose genannt, ist eine Rötung der Haut, die sich nach einem Zeckenstich kreisförmig um die Einstichstelle herum zunehmend ausbreitet. Häufig bildet sich dabei eine ringförmige Abblassung aus. Das bedeutet, in der Mitte des Kreises befindet sich eine ringförmige Färbung, die entweder heller oder dunkler ist als der umliegende Kreis. Der Stich der Zecke in der Mitte ist meist deutlich zu erkennen.

Übrigens: Fälschlicherweise wird umgangssprachlich oft von einem Zeckenbiss gesprochen, obwohl Zecken den Menschen genau genommen nicht beißen, sondern stechen.

Wanderröte durch Zeckenbiss, Mückenstich & Co.

Die Wanderröte wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht. Dieses befindet sich im Darm von einigen Zecken und wird wie das FSME-Virus von einer Zecke auf den Menschen übertragen. So kann es durch einen Zeckenstich zu einer Infektion mit Borrelien und dadurch zu einer Lyme-Borreliose kommen.

Eine Wanderröte ohne Zeckenbiss ist ebenfalls möglich: Auch in Mücken, Kriebelmücken, Bremsen und Flöhen wurden bereits Borrelien festgestellt, sodass eine Wanderröte beispielsweise auch nach einem Mückenstich auftreten kann. Dies ist jedoch sehr selten. Vermutet man, eine Wanderröte ohne Zeckenbiss zu haben, ist es wahrscheinlicher, dass dieser einfach nicht bemerkt wurde.

Häufig beginnt eine Borreliose im Frühstadium mit dem Auftreten der Hautrötung. In etwa zehn bis 20 Prozent der Fälle kommt jedoch eine Borreliose ohne Wanderröte vor. Das heißt, auch ohne Auftreten einer Wanderrose kann man an Borreliose erkrankt sein. Andersrum gilt die Wanderröte als sicheres Anzeichen einer Borreliose.

Wie erkennt man Wanderröte?

Anders als ein Mückenstich oder Bremsenstich ist die Wanderröte in der Regel nicht geschwollen, dafür aber deutlich größer (meist über fünf Zentimeter Durchmesser). Schmerzen und Juckreiz treten eher selten auf, allerdings ist der betroffene Hautbereich häufig überwärmt.

Zusätzlich zur typischen, ringförmigen Rötung können grippeähnliche Symptome auftreten, die auf die Borreliose-Erkrankung hinweisen:

Ab wann tritt Wanderröte auf?

Auftreten und Dauer der Wanderröte können stark variieren: Die Rötung kann zwischen drei und 30 Tagen nach dem Zeckenstich auftreten. Im Durchschnitt macht sie sich nach sieben bis zehn Tagen bemerkbar.

Verwechslungsgefahr: atypische Wanderröte

Die Ausprägung der Wanderröte kann sehr unterschiedlich sein. Eine sogenannte atypische Wanderröte ist nicht selten und kann deutlich von dem klassischen kreisförmigen Bild abweichen.

So kann die Rötung bei atypischer Wanderröte intensiv und flächig sein oder nur blass und streifenförmig – auch mehrere Rötungen über den Körper verteilt sind möglich. Die Farbe kann von hellrosa über intensiv-rot bis zu bläulich-lila variieren. Zudem können bei atypischer Wanderröte Quaddeln, Blasen oder Knötchen auftreten.

Dies zu wissen ist wichtig, um Verwechslungen mit anderen Hauterkrankungen zu vermeiden und auch bei einer atypischen Verlaufsform an eine Borrelieninfektion zu denken. Ansonsten kann es passieren, dass diese nicht erkannt wird und unbehandelt bleibt und in der Folge verschleppt wird.

Womit kann man Wanderröte verwechseln?

Da die Wanderröte bei jeder betroffenen Person unterschiedlich aussehen kann, kann man sie leicht mit anderen Formen einer Hautrötung verwechseln. Die folgende Übersicht kann Ihnen helfen, mögliche andere Auslöser abzugrenzen:

  • Typischerweise bildet sich unmittelbar nach einem Zeckenstich eine ein bis zwei Zentimeter große Rötung, die oftmals stark juckt. Diese ist jedoch harmlos und verschwindet nach einigen Tagen wieder.
  • Auch andere Insektenstiche jucken in den meisten Fällen. Aber auch hier treten Rötung und Schwellung direkt nach dem Stich auf, sind deutlich kleiner und klingen nach wenigen Tagen von allein ab.
  • Bei einer Wundrose (Erysipel) sind Begleitsymptome wie Fieber, Abgeschlagenheit und Überwärmung der Haut meist stark ausgeprägt. Außerdem kommt es oft zu einer Schwellung und Schmerzen.
  • Eine allergische Reaktion auf ein Medikament (Arzneimittelexanthem) geht ebenfalls häufig mit Schmerzen sowie mit starkem Juckreiz einher. Jedoch handelt es sich dabei oft um einen punktförmigen Hautausschlag. Zudem lässt sich meist ein Zusammenhang zu der Einnahme eines neuen Medikaments herstellen – am häufigsten lösen Antibiotika diese allergischen Hautreaktionen aus.
  • Auch andere allergische Hautreaktionen sind möglich, so zum Beispiel durch Duftstoffe in Kosmetika oder bestimmte Pflanzenbestandteile.
  • Eine Entzündung der Unterhaut (Hypodermitis), die unter anderem in Zusammenhang mit einer Venenschwäche auftreten kann, äußert sich typischerweise durch eine verdickte und verhärtete Rötung und tritt oftmals an beiden Unterschenkeln symmetrisch auf.
  • Gewisse Formen der Autoimmunerkrankung Sklerodermie können sich durch runde, rötliche Hauterscheinungen äußern. Jedoch ist auch hierbei eine Hautverhärtung typisch.
  • Herpes und Gürtelrose gehen für gewöhnlich mit Schmerzen einher, die schon vor dem Auftreten der Hautveränderungen beginnen. Zudem kommt es oftmals nach einigen Tagen zu einer Bläschenbildung.
  • Bei der Tinea corporis – einer Pilzerkrankung der Haut – kann es zu ringförmigen, juckenden Rötungen kommen, die häufig im Randbereich schuppen und Pusteln bilden.

Wann zum Arzt bei Wanderröte?

Manche Menschen sind bei Verdacht auf Wanderröte unsicher, wann sie zum*zur Arzt*Ärztin gehen sollten. Dabei ist ein Besuch in der ärztlichen Sprechstunde in einem solchen Fall stets empfehlenswert. Wird bereits im Frühstadium mit einer Therapie begonnen, ist die Prognose sehr gut: Spätfolgen, ein chronischer Verlauf oder ein Übergang in fortgeschrittene Stadien der Borreliose können dadurch in den allermeisten Fällen verhindert werden.

Diagnostik: Bluttest nicht immer notwendig

Erkennt der*die Arzt*Ärztin eindeutig eine typische Wanderröte (Blickdiagnose), ist dies ein Beleg für das Vorliegen einer Borreliose. Daher sollte ohne weitere Diagnostik eine Behandlung mit Antibiotika begonnen werden – auch wenn sich die betroffene Person nicht an einen Zeckenstich erinnern kann.

In unklaren Fällen können verschiedene Bluttests erfolgen, um die Wanderröte als Symptom einer Borreliose zu diagnostizieren oder auszuschließen. Dabei wird das Blut auf Antikörper gegen Borrelien untersucht. Selten wird eine Hautprobe (Biopsie) aus dem betroffenen Bereich entnommen, um die Erreger direkt nachweisen zu können.

Diese Antikörpertests haben jedoch eine eingeschränkte Aussagekraft: Zum einen braucht der Körper nach der Infektion mindestens einige Tage, um Antikörper zu bilden. Kurz nach der Ansteckung kann der Antikörpertest also negativ ausfallen. Zum anderen sind nach einer Borrelieninfektion oft noch mehrere Jahre Antikörper im Blut nachweisbar. Schätzungen zufolge ist dies in Deutschland bei 5,8 Prozent der Frauen und 13 Prozent aller Männer der Fall.

Ein positiver Antikörpertest ohne Vorliegen von Symptomen ist daher kein Beleg für eine akute Erkrankung. Eine Behandlung ist deshalb nur empfohlen, wenn eine für Borreliose typische Symptomatik vorliegt.

Behandlung: Was tun bei Wanderröte?

Da es sich bei Borreliose um eine bakterielle Infektion handelt, erfolgt die Therapie mit Antibiotika, die in Form von Tabletten eingenommen werden. In schweren Fällen kann auch die intravenöse Gabe in einem Krankenhaus notwendig sein.

Die Behandlung erfolgt in der Regel durch die Antibiotika Doxycyclin oder Amoxicillin. Dürfen diese Wirkstoffe – zum Beispiel aufgrund einer Allergie – nicht eingenommen werden, sind Cefuroximaxetil oder Azithromycin Alternativen.

Je nach verwendetem Arzneimittel sowie Schwere der Erkrankung erfolgt die antibiotische Therapie über zehn bis 30 Tage.

Da die Wanderröte durch Bakterien verursacht wird, ist deren äußerliche Behandlung mit Cremes – etwa mit Kortison – wirkungslos.

Wanderröte vorbeugen

Ein Impfstoff gegen Borrelien existiert derzeit nicht. Der Schutz vor Zecken ist daher die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Kommt es dennoch zu einem Zeckenstich, sollte die Zecke möglichst früh (innerhalb der ersten zwölf Stunden) entfernt werden. Denn je länger die Zecke in der Haut steckt, desto höher ist das Risiko der Übertragung von Borrelien. Dabei gilt es, die Zecke möglichst vorsichtig zu entfernen, um die Übertragung während dieses Vorgangs zu verhindern.

Danach sollte die Einstichstelle sechs Wochen lang beobachtet werden, um eine Wanderröte frühzeitig zu erkennen.

Antibiotika-Prophylaxe nicht sinnvoll

Eine prophylaktische (also vorbeugende) Antibiotika-Behandlung nach einem Zeckenstich kann zwar unter Umständen das Risiko einer Borrelieninfektion vermindern. Allerdings ist das Risiko, an einer Borreliose zu erkranken, generell eher gering: In nur 0,3 bis 1,4 Prozent kommt es nach einem Zeckenstich zu einer Erkrankung.

Aufgrund möglicher Nebenwirkungen wird daher eine vorbeugende Einnahme von Antibiotika nicht empfohlen.

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