Atorvastatin – ein Arzneimittel zur Senkung des Cholesterinspiegels

Frau nimmt Atorvastatin-Tablette © istockphoto, spukkato

Erkrankungen, die das Herz-Kreislaufsystem betreffen, sind die weltweit häufigste Todesursache. Ein Risikofaktor, der das Auftreten von solchen Erkrankungen begünstigt, ist ein hoher Cholesterinspiegel. Um diesen zu senken, kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Eines davon ist Atorvastatin. Wie es wirkt, wann es Anwendung findet, welche Wechsel- und Nebenwirkungen auftreten können und worauf Sie bei der Einnahme achten sollten, erfahren Sie im Folgenden.

Was ist Atorvastatin?

Atorvastatin gehört zur Gruppe der Statine. Diese verschreibungspflichtigen Wirkstoffe senken den Cholesterinspiegel im Blut, indem sie ein wichtiges Enzym der Cholesterinbiosynthese hemmen. Weitere Vertreter dieser Gruppe sind unter anderem Simvastatin, Rosuvastatin, Lovastatin und Pravastatin. Statine gehören zu den weltweit am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln.

Welche Handelsnamen gibt es?

Der Wirkstoff Atorvastatin ist in Deutschland im Handel unter dem Namen Sortis® erhältlich. In vielen anderen Ländern wird er unter dem Namen Lipitor® geführt. 

Wie wirkt Atorvastatin?

Um den Wirkmechanismus von Atorvastatin verstehen zu können, sollte man zunächst ein paar grundlegende Dinge über Cholesterin wissen: Cholesterin ist ein körpereigener Baustoff, den wir selbst, vorwiegend in der Leber, produzieren können. Entgegen einer weit verbreiteten Vorstellung hat Cholesterin nicht ausschließlich schlechte Eigenschaften. Es ist sogar überlebenswichtig und wird zum Beispiel zum Aufbau von Zellmembranen benötigt. Ein zu hoher Spiegel kann jedoch Arterienverkalkungen und Herzinfarkte fördern. 

Eine wichtige Rolle bei der Produktion des Cholesterins spielt das Enzym HMG-CoA-Reduktase. Dieses Enzym wird durch Statine, zu denen auch Atorvastatin gehört, gehemmt – und infolgedessen auch die Produktion des Cholesterins. Als Reaktion auf die geringere Cholesterinproduktion nehmen die Zellen mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut auf, wodurch der LDL-Cholesterinspiegel sinkt. 

Durch das Atorvastatin wird zudem der HDL-Cholesterinspiegel etwas erhöht. Das HDL-Cholesterin hilft, nicht benötigtes Cholesterin abzutransportieren. So trägt Atorvastatin also auf zwei Wegen dazu bei, die Blutfettwerte zu verbessern.

Wann und wie sollte Atorvastatin eingenommen werden?

Atorvastatin wird in der Regel einmal täglich in Tablettenform mit ausreichend Flüssigkeit zu sich genommen. Der Zeitpunkt der Einnahme sollte sich idealerweise auf die Abendstunden belaufen, da die körpereigene Cholesterinproduktion in der Nacht am höchsten ist und das Medikament somit nachts optimal wirken kann.

Welche Dosierung wird empfohlen?

Das Arzneimittel ist in verschiedenen Dosierungen verfügbar. Gebräuchlich sind die Dosierungen 10, 20, 40 und 80 Milligramm.

Begonnen wird zumeist mit der kleinsten Dosierung von 10 Milligramm. Anschließend, nach etwa vier Wochen, erfolgt die Kontrolle des Behandlungserfolges. Hierbei dient eine Messung der Blutwerte als Maßstab. 

Bei Bedarf kann Atorvastatin vom behandelnden Arzt in der Dosierung individuell angepasst werden. Die maximale Dosis beläuft sich auf 80 Milligramm einmal täglich.

Wie lange wird Atorvastatin eingenommen?

Eine Beschränkung der Anwendungsdauer gibt es bei Atorvastatin nicht. Die Behandlung mit dem Statin ist im Regelfall jedoch längerfristig ausgelegt, um den Cholesterinspiegel dauerhaft auf niedrige Werte zu senken und das Risiko für Folgeerkrankungen zu minimieren. Eine regelmäßige Anwendung ist hierbei wichtig. 

Da der Effekt der Cholesterinsenkung nicht spürbar, sondern nur im Blut messbar ist, fällt es manchen Betroffenen schwer, das Medikament regelmäßig einzunehmen. Trotz fehlender spürbarer Wirkung sollte man Atorvastatin jedoch nicht eigenhändig einfach wieder absetzten – hiervon ist dringend abzuraten. 

Generell gilt: Halten Sie bezüglich der Einnahmedauer sowie der Dosierung mit dem behandelnden Arzt Rücksprache und wenden Sie sich im Zweifel immer an Ihren Arzt.

Wie lange wirkt Atorvastatin und wie lange bleibt es im Körper?

Die Halbwertszeit für Atorvastatin beträgt circa 14 Stunden – das bedeutet, dass der Wirkstoff im Körper nach dieser Zeit zur Hälfte abgebaut ist. Wirkspiegel können bis zu 30 Stunden lang nachgewiesen werden. Längerfristig erhöhte Spiegel des Medikaments können sich in Kombination mit anderen Arzneistoffen sowie bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen finden.

Das Medikament wird über die Leber metabolisiert (verstoffwechselt) und hauptsächlich über die Galle mit dem Stuhl ausgeschieden. 

Atorvastatin als Kombipräparat mit anderen Wirkstoffen

Insbesondere ältere Menschen oder Personen mit mehreren Erkrankungen müssen oft eine Vielzahl verschiedener Medikamente nehmen, sodass man leicht den Überblick verliert. Abhilfe hierbei können Kombipräparate schaffen, die vielleicht eher aus der Blutdrucktherapie bekannt sind. Jedoch gibt es diese auch im Zusammenhang mit dem Cholesterinsenker Atorvastatin. 

Atozet® zum Beispiel enthält Atorvastatin (10, 20, 40 oder 80 mg) sowie Ezetimib, ein weiteres Medikament aus der Klasse der Cholesterinsenker, jedoch mit einem anderen Wirkmechanismus als Atorvastatin. In Kombination senken die beiden Wirkstoffe den Cholesterinspiegel und die Blutfette effektiv. Geeignet ist dieses Präparat für Patienten, bei denen die Behandlung mit Statinen alleine nicht zum gewünschten Ergebnis geführt hat. Geeignet ist Atozet® ebenfalls bei primärer Hypercholesterinämie, einer Erbkrankheit, die dauerhaft zu hohem Cholesterin führt oder aber bei Vorliegen einer Herzerkrankung. 

Ein weiteres Kombipräparat, das Atorvastatin beinhaltet, ist Sincronium®. Zusätzlich sind noch Acetylsalicylsäure (ASS, also der Wirkstoff in Aspirin®) zur Blutverdünnung und der ACE-Hemmer Ramipril zur Blutdrucksenkung in dem Präparat enthalten. Vorteilhaft ist Sincronium® bei Erkrankung des Herzens und der Herzkranzgefäße und soll vor Herzinfarkten schützen.

Welche Nebenwirkungen hat Atorvastatin?

Unter Einnahme von Atorvastatin wurden folgende unerwünscht auftretende Wirkungen beobachtet:

  • Kopfschmerzen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Muskelkrämpfe
  • hoher Blutzucker und Gefahr der Entstehung von Diabetes
  • Gelenkschwellung
  • Verdauungsstörungen (wie zum Beispiel Blähungen oder Durchfall)
  • Übelkeit
  • Erhöhung der Leberwerte
  • Entzündungen, die den Nasen-Rachen-Raum betreffen

Diese Effekte gehören zu den häufig beobachteten Nebenwirkungen. Seltene Nebenwirkungen, auf die jedoch trotzdem hingewiesen werden soll, sind ein Zerfall der Muskulatur (Rhabdomyolyse), schwere Leberschädigung sowie schwere allergische Reaktionen.

Wechselwirkungen mit Atorvastatin

Einige Medikamente werden – genau wie Atorvastatin auch – über ein bestimmtes Leberenzym verstoffwechselt: das Enzym CYP3A4. Andere Wirkstoffe, die dieses Enzym hemmen oder die Aktivität von diesem verstärken, sollten entweder gar nicht zusammen mit Atorvastatin oder nur nach Rücksprache mit dem Hausarzt eingenommen werden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Amiodaron (Herz- und Blutdruckmedikament)
  • Verapamil (ähnlich zu Amiodaron)
  • Clarithromycin (Antibiotikum)
  • Itraconazol (Medikament gegen Pilze)
  • Ritonavir (HIV-Medikament)
  • Gemfibrozil (Medikament zur Cholesterinsenkung)
  • Ciclosporin (Immunsuppressivum)

Weiterhin sollte beachtet werden, dass die Kombination von Atorvastatin und Grapefruitsaft die Nebenwirkungen verstärken kann. 

Bitte beachten Sie, dass die genannte Liste nicht abschließend ist, dass es darüber hinaus also auch andere Arzneimittel geben kann, deren gemeinsame Einnahme mit Atorvastatin zu Problemen führen kann. Im Zweifel sollte stets ein Arzt hinzugezogen werden und die Kombination mit anderen Arzneimitteln nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Analyse geprüft werden.

Wann sollte Atorvastatin nicht eingenommen werden?

Wenn einer oder mehrere der folgenden Faktoren gegeben ist, sollte das Medikament Atorvastatin nicht eingenommen werden:

  • bei vorliegender Lebererkrankung
  • in der Schwangerschaft und Stillzeit
  • bei Nierenproblemen
  • bei vorliegender Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • bei familiären Muskelerkrankungen (Myopathien)
  • bei Personen, die älter als 70 Jahre sind
  • bei Kindern
  • wenn in der Vergangenheit ein Schlaganfall erlitten wurde

Zudem sollte auf die Einnahme von Atorvastatin verzichtet werden, wenn in der Vergangenheit Probleme bei der Verträglichkeit anderer Cholesterinsenker aufgetreten sind. Die meisten Medikamente dieser Gruppe erkennt man an den Endungen -statin oder -fibrat. Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass Atorvastatin nicht eingenommen werden sollte, wenn Sie regelmäßig größere Mengen Alkohol konsumieren.

Aktualisiert: 17.07.2020 - Autor: Carina Lang

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?